
Anthurium subsignatum Schott
Ein historisches Anthurium aus der Sammlung Hermann Wendlands
Anthurium subsignatum Schott gehört zu jenen Anthurien, deren Geschichte eng mit der botanischen Erforschung Zentralamerikas im 19. Jahrhundert verbunden ist. Die Art wurde von Hermann Wendland nach Europa eingeführt und 1861 von Heinrich Wilhelm Schott wissenschaftlich beschrieben. Schott stellte sie als eigenständige Art auf und veröffentlichte die Erstbeschreibung in Bonplandia 9: 368 (1861).
Heute wird A. subsignatum als gültige Art anerkannt. Ihr natürliches Areal reicht von Süd-Nicaragua bis Costa Rica. Sie wächst als kletternder Epiphyt in feuchten tropischen Wäldern.
Wissenschaftliche Einordnung
Reich: Plantae
Familie: Araceae – Aronstabgewächse
Gattung: Anthurium Schott
Sektion: Semaeophyllium
Art: Anthurium subsignatum Schott
Erstveröffentlichung:
Bonplandia 9: 368 (1861)
Wuchsform:
Kletternder Epiphyt
Natürliches Verbreitungsgebiet:
Süd-Nicaragua bis Costa Rica
Lebensraum:
Feuchte tropische Wälder und Übergänge zu tropisch-feuchten Waldgesellschaften.
Herkunft & Verbreitung
Anthurium subsignatum besitzt ein vergleichsweise kleines mittelamerikanisches Verbreitungsgebiet. Nach heutiger taxonomischer Zusammenstellung ist die Art von Süd-Nicaragua bis Costa Rica bekannt. Sie lebt überwiegend epiphytisch und nutzt andere Pflanzen als Träger, ohne ihnen Nährstoffe zu entziehen.
Ihre Lebensräume liegen in feuchten tropischen Waldgesellschaften. Der kletternde Wuchs und die langen Internodien ermöglichen es der Pflanze, sich innerhalb der Vegetation nach oben und zwischen den Trägerstrukturen auszubreiten.
Historisch ist die Art besonders interessant, weil ihr Weg in die europäische Botanik unmittelbar mit Hermann Wendlands zentralamerikanischen Sammlungen verbunden ist.
Die Entdeckung durch Hermann Wendland
Die Geschichte von Anthurium subsignatum beginnt nicht mit einem anonymen Herbariumsexemplar.
Schott schreibt in der ursprünglichen Beschreibung ausdrücklich:
„Von Hermann Wendland eingeführt, erhielten wir ein Anthurium, das sich nunmehr als ausgezeichnete Art erweiset.“
Damit ist die Einführung durch Hermann Wendland bereits im Protolog selbst dokumentiert.
Wendland war im 19. Jahrhundert einer der bedeutenden Botaniker und Pflanzensammler mit besonderer Verbindung zu Zentralamerika. Seine Sammlungen bildeten später eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung zahlreicher tropischer Pflanzen.
Die historische Provenienz von A. subsignatum ist deshalb ein besonders schönes Beispiel dafür, wie lebendes Pflanzenmaterial, botanische Gärten, Sammler und wissenschaftliche Beschreibung im 19. Jahrhundert miteinander verbunden waren.
Erstbeschreibung durch Schott
Schott veröffentlichte Anthurium subsignatum im Jahr 1861 in Bonplandia, Band 9, auf Seite 368.
Die ursprüngliche Diagnose beschreibt bereits zahlreiche Merkmale, die auch in der heutigen morphologischen Auffassung der Art wiederzufinden sind:
- einen relativ schlanken, aufwärts gerichteten Spross,
- längere Internodien,
- leicht gefurchte Blattstiele,
- eine dreieckig bis pfeilförmig wirkende Blattspreite,
- breite, abgerundete hintere Blattlappen,
- einen sehr flachen und weit geöffneten Blattsinus,
- einen lang ausgezogenen Blattapex,
- einen kürzeren Blütenstandsstiel,
- eine grüne, lanzettliche und zurückgeschlagene Spatha,
- sowie einen gelben, zylindrischen Spadix.
Bemerkenswert ist, wie viele dieser historischen Beobachtungen sich mit der modernen Beschreibung der Art decken.
Morphologie
Wuchs und Spross
Anthurium subsignatum ist ein kletternder Epiphyt. Die Internodien können etwa 1,5–7 cm lang werden, in größeren Exemplaren auch deutlich länger.
Die Pflanze entwickelt einen relativ schlanken Spross und kann sich mithilfe ihrer Wurzeln an der Trägerstruktur festhalten.
Die Cataphylle sind zunächst relativ derb und rötlichbraun. Mit zunehmendem Alter zerfallen sie teilweise in faserige Strukturen, können an den älteren Knoten jedoch längere Zeit erhalten bleiben.
Blätter
Die Blätter gehören zu den auffälligsten Merkmalen der Art.
Die Blattspreiten sind dreieckig bis breit dreieckig, deutlich gelappt und relativ groß. Moderne Beschreibungen geben eine Länge von etwa 14–58 cm und eine Breite von etwa 7–58 cm an.
Die Oberseite ist dunkelgrün, während die Unterseite deutlich heller und teilweise silbrig-grün erscheint. Die Blattspreite ist relativ derb und besitzt eine deutlich ausgeprägte Nervatur.
Besonders charakteristisch sind die weit ausgebreiteten seitlichen beziehungsweise hinteren Lappen.
Der mittlere Lappen ist überwiegend eiförmig bis länglich-eiförmig und läuft in eine zugespitzte Spitze aus.
Damit zeigt die moderne Morphologie genau jene Grundform, die Schott bereits 1861 als „subsagittato-triangularis“beschrieb.
Blattstiel & Geniculum
Der Blattstiel ist lang und relativ schlank. Moderne Beschreibungen geben etwa 14,5–58 cm an.
Im Querschnitt ist der Blattstiel rundlich bis schmal abgeflacht (teret) und nicht kantig wie beispielsweise bei Anthurium magnificum.
Am Übergang zur Blattspreite befindet sich das Geniculum, ein bewegliches Gelenkstück von etwa 1–2,5 cm Länge. Es kann beim Trocknen deutlich dunkler erscheinen als der übrige Blattstiel.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, weshalb wir bei Variegata.Vienna Petiol und Geniculum grundsätzlich getrennt betrachten.
Nervatur
Die Nervatur ist stark ausgeprägt.
Pro Seite werden ungefähr 5–8 primäre Seitennerven beschrieben. Sie entspringen relativ geradlinig aus der Mittelrippe und treten auf der Blattoberseite deutlich hervor.
Zusätzlich besitzt die Art mehrere basale Nervpaare. Die ersten basalen Nerven können frei verlaufen, während weitere miteinander verbunden sein können.
Die feinere Nervatur bildet ein retikuläres Muster und trägt wesentlich zur strukturellen Wirkung der Blattoberfläche bei.
Blütenstand
Der Blütenstand steht aufrecht.
Der Pedunculus ist mit etwa 13–28 cm, gelegentlich bis ungefähr 37 cm, meist kürzer als der Blattstiel.
Die Spatha sitzt am oberen Ende des Blütenstandsstiels und umschließt den Spadix während der Entwicklung.
Spatha
Die Spatha ist hellgrün, länglich-lanzettlich und läuft in eine lange Spitze aus.
Moderne Beschreibungen geben ungefähr 8–20 cm, gelegentlich bis 28 cm Länge an.
Ihre Basis ist abgestutzt; während der Anthese kann sie sich vom Spadix weg öffnen beziehungsweise zurückbiegen.
Dieses Merkmal findet sich bereits in Schotts Originaldiagnose wieder, wo die Spatha als grün, lanzettlich, zugespitzt, zurückgeschlagen und an der Basis umfassend beschrieben wird.
Spadix
Der Spadix ist schlank, lang und deutlich zugespitzt.
Er ist gelbgrün bis leuchtend gelb und sitzt auf einem kurzen Stiel.
Die heutige Beschreibung nennt etwa 7–26 cm Länge. Der Durchmesser nimmt zur Spitze hin deutlich ab.
Damit gehört der Blütenstand zu den Merkmalen, bei denen die historische Beschreibung Schotts und die moderne morphologische Dokumentation bemerkenswert gut zusammenpassen.
Blüten
Die einzelnen Blüten sind klein und dicht spiralig auf dem Spadix angeordnet.
Die Blüten besitzen die für Anthurium typischen vier Tepalen. Bei A. subsignatum werden etwa 4–8 Blüten pro Hauptspirale angegeben.
Die Tepalen sind glänzend; die Staubblätter treten zur Anthese nicht deutlich hervor. Der Griffel beziehungsweise die Narbe ist nur schwach hervortretend.
Gerade diese kleinen Strukturen sind botanisch wesentlich, obwohl sie im Erscheinungsbild der Pflanze kaum wahrgenommen werden.
Fruchtstand & Früchte
Nach der Blüte entwickelt sich ein hängender Fruchtstand, der eine Länge von bis zu etwa 40 cm erreichen kann.
Mit zunehmender Reife verändert sich seine Färbung in Richtung Rotviolett.
Die einzelnen Beeren sind an der Spitze violett und an der Basis weißlich. Sie sind ungefähr 5 × 3 mm groß und besitzen eine verkehrt-eiförmige Gestalt.
Damit bildet der Fruchtstand einen deutlichen farblichen Gegensatz zum grünen vegetativen Erscheinungsbild der Pflanze.
Luftwurzeln & epiphytischer Wuchs
Als epiphytisch kletternde Art besitzt A. subsignatum ein ausgeprägtes System von Luftwurzeln.
Diese Wurzeln dienen nicht nur der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, sondern auch der mechanischen Verankerung am Träger.
Die Art gehört damit zu jener Gruppe von Anthurien, bei denen der Aufbau des Sprosses, die langen Blattstiele und die Haft- beziehungsweise Versorgungswurzeln gemeinsam den kletternden Lebensstil ermöglichen.
Natürlicher Lebensraum
In der Natur wächst A. subsignatum in feuchten tropischen Wäldern und Übergangsbereichen zu feuchten Waldgesellschaften.
Die Kombination aus epiphytischem Wuchs, kletterndem Spross, großen gelappten Blättern und langen Luftwurzeln ist an das Leben innerhalb einer komplex aufgebauten Waldvegetation angepasst.
Das historische Verbreitungsbild „Amer. central.“ aus Schotts Originaldiagnose wird durch die heutige Verbreitungsangabe präzisiert: Süd-Nicaragua bis Costa Rica.
Historische Bedeutung
Für Variegata.Vienna ist Anthurium subsignatum auch deshalb interessant, weil seine Geschichte weit über die Erstbeschreibung von 1861 hinausreicht.
Die Art taucht bereits im 19. Jahrhundert in der europäischen Gartenbaukultur auf.
Besonders bemerkenswert ist ein Bericht der Wiener Illustrirten Garten-Zeitung aus dem Jahr 1884 über eine Blumenausstellung in Graz. Dort wird Anthurium subsignatum gemeinsam mit verschiedenen anderen seltenen und blühenden Anthurien aufgeführt.
Damit lässt sich die Art nicht nur in der botanischen Literatur, sondern auch in der historischen europäischen Pflanzenkultur nachweisen.
Für die Geschichte der Pflanze ist das ein wichtiger Unterschied: Wir wissen dadurch, dass A. subsignatum nicht lediglich als getrocknetes Herbarmaterial bekannt war, sondern bereits im 19. Jahrhundert als lebende und blühende Kulturpflanze in europäischen Sammlungen präsent war.
Taxonomische Geschichte
Die Art wurde 1861 von Schott als Anthurium subsignatum beschrieben.
In der späteren taxonomischen Literatur wurde ihre Stellung innerhalb der äußerst variablen Gattung Anthurium mehrfach diskutiert. Die moderne Bearbeitung stellt die Art in die Sektion Semaeophyllium.
Heute wird Anthurium subsignatum von Plants of the World Online als akzeptierte Art geführt.
Gerade bei historischen Anthurien ist die Trennung zwischen ursprünglicher Beschreibung, späteren Synonymisierungen und moderner taxonomischer Auffassung entscheidend. Variegata.Vienna dokumentiert deshalb nicht nur den heute gültigen Namen, sondern auch die historische Entwicklung seiner Verwendung.
Variegata.Vienna Kultivierungsempfehlung
Obwohl A. subsignatum in der Natur epiphytisch lebt, sollte Kultur nicht mit möglichst trockener Haltung gleichgesetzt werden. Entscheidend ist vielmehr eine Kombination aus Feuchtigkeit, Luftigkeit und Sauerstoffversorgung der Wurzeln.
Licht
Helles, indirektes Licht. Direkte intensive Mittagssonne sollte vermieden werden.
Temperatur
Optimal ist eine dauerhaft warme Kultur ohne starke Temperaturschwankungen.
Luftfeuchtigkeit
Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit unterstützt das Wachstum. Gleichzeitig muss eine gute Luftbewegung gewährleistet sein.
Substrat
Ein grobes, luftiges Epiphyten-Substrat ist sinnvoll, beispielsweise aus:
- Pinienrinde
- grobem Perlit oder Bims
- Kokoschips
- einem kleinen Anteil organischer Bestandteile
Bewässerung
Das Substrat sollte gleichmäßig leicht feucht gehalten werden, ohne dauerhaft nass zu bleiben.
Düngung
Während aktiver Wachstumsphasen regelmäßig, aber moderat düngen.
Luftzirkulation
Besonders wichtig bei hoher Luftfeuchtigkeit. Bewegte Luft reduziert das Risiko von stagnierender Nässe und unterstützt ein gesundes Wurzel- und Blattwachstum.
Variegata.Vienna Einschätzung
| Merkmal | Einschätzung |
|---|---|
| Seltenheit | ★★★☆☆ |
| Sammlerwert | ★★★★★ |
| Zierwert | ★★★★★ |
| Kultivierbarkeit | ★★★★☆ |
| Für Anfänger | ★★☆☆☆ |
| Wachstum | ★★★☆☆ |
A. subsignatum ist für Variegata.Vienna weniger wegen eines spektakulären modernen Hybridenimages interessant als wegen seiner botanischen und historischen Eigenständigkeit.
Die Verbindung zu Hermann Wendland, die frühe Beschreibung durch Schott und die spätere Präsenz in europäischen Pflanzensammlungen machen die Art zu einem hervorragenden Beispiel für die Geschichte der Anthurienkultur.
Nomenklatur
Akzeptierter Name:
Anthurium subsignatum Schott
Autor:
Heinrich Wilhelm Schott
Erstveröffentlichung:
Bonplandia 9: 368 (1861).
Historischer Sammler:
Hermann Wendland
Historische Quellen & Literatur
Schott, H. W. (1861).
Anthurium subsignatum Schott.
Bonplandia 9: 368.
Kew Science – Plants of the World Online.
Anthurium subsignatum Schott – akzeptierter Name, Verbreitung und taxonomische Zusammenstellung.
CATE Araceae.
Morphologische Beschreibung von Anthurium subsignatum, einschließlich vegetativer und reproduktiver Merkmale.
Wiener Illustrirte Garten-Zeitung, 1884.
Bericht über die Blumenausstellung in Graz und die dort aufgeführten Anthurien.
Rudolph, J. (1898).
Caladium, Anthurium, Alocasia et autres Aroïdées de serre.
Variegata.Vienna
Botanisches Wissen für die Zukunft bewahrt.
Variegata.Vienna dokumentiert Pflanzen nicht nur als Kulturobjekte, sondern als Teil einer lebendigen Geschichte aus Botanik, Taxonomie, Gartenbau und wissenschaftlicher Überlieferung.