
Anthurium regale Linden
Wissenschaftlicher Name
Akzeptierter Name: Anthurium regale Linden
Autor: Jean Jules Linden
Erstbeschreibung: La Belgique Horticole, Band XVI, Seite 200 (1866)
Familie: Araceae
Gattung: Anthurium
Sektion: Cardiolonchium
Übersicht
Anthurium regale gilt als eine der eindrucksvollsten samtblättrigen Arten innerhalb der Gattung Anthurium. Berühmt für seine gewaltigen herzförmigen Blätter, die markante helle Blattaderung sowie den außergewöhnlichen Farbwechsel während der Blattentwicklung fasziniert diese Art Botaniker und Sammler seit mehr als 160 Jahren.
Die Art ist in den feuchten Berg- und Nebelwäldern Nordperus heimisch und wächst überwiegend terrestrisch auf dem Waldboden. Dort entwickelt sie ein kräftiges Wurzelsystem und bildet mit zunehmendem Alter immer größere Blätter aus. Ihr majestätisches Erscheinungsbild sowie ihre botanische Bedeutung machen Anthurium regale zu einem der bekanntesten Vertreter der Sektion Cardiolonchium.
Kurzinformationen
Verbreitungsgebiet: Peru
Natürliche Verbreitung: Osthänge der Peruanischen Anden (Region Oberer Marañón)
Wuchsform: Überwiegend terrestrisch
Blatttyp: Große, samtige, herzförmige Blätter
Besondere Merkmale
• Auffällige helle Blattadern
• Ausgeprägter Farbwechsel junger Blätter
• Kräftiges Wurzelsystem
• Eine der größten samtblättrigen Anthurium-Arten
Variegata.Vienna Bewertung
🌍 Seltenheit: ★★★☆☆
💎 Sammlerwert: ★★★★★
🎨 Zierwert: ★★★★★
🌿 Kulturschwierigkeit: ★★★★☆
🌱 Für Anfänger geeignet: ★★☆☆☆
📈 Wachstumsgeschwindigkeit: ★★★☆☆
Geschichte
Die Geschichte von Anthurium regale beginnt in den Nebelwäldern Perus während der großen botanischen Entdeckungsreisen des 19. Jahrhunderts.
Der deutsche Pflanzenjäger Gustav Wallis (1830–1878) bereiste im Auftrag des belgischen Botanikers und Gärtners Jean Jules Linden die tropischen Wälder Südamerikas. Auf einer seiner Expeditionen entlang der östlichen Andenhänge Perus entdeckte Wallis ein außergewöhnliches Anthurium mit beeindruckend großen herzförmigen Blättern in den Tälern des Oberen Marañón.
Die Pflanze gelangte schließlich nach Europa, wo Jean Jules Linden sie im Jahr 1866 unter dem Namen Anthurium regalewissenschaftlich beschrieb. Die Erstbeschreibung erschien in La Belgique Horticole und bildet bis heute die wissenschaftliche Grundlage für diese Art.
Im Protolog verglich Linden Anthurium regale unmittelbar mit dem kurz zuvor beschriebenen Anthurium magnificum und bezeichnete die neue Art hinsichtlich ihrer Zierwirkung als mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Besonders hob er den außergewöhnlichen Farbwechsel der sich entwickelnden Blätter hervor: Junge Blätter erscheinen zunächst in tiefen Blutrot- und Kastanientönen, wechseln anschließend zu olivfarbenen Nuancen und reifen schließlich zu einem intensiven Smaragdgrün heran.
Auch mehr als 160 Jahre nach ihrer wissenschaftlichen Beschreibung zählt Anthurium regale zu den beeindruckendsten und bekanntesten Arten der Gattung Anthurium.
Habitat
Anthurium regale ist in Peru endemisch und besiedelt feuchte Berg- und Nebelwälder entlang der östlichen Andenhänge.
Der natürliche Lebensraum zeichnet sich durch folgende Bedingungen aus:
• Ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit
• Milde Temperaturen mit nur geringen jahreszeitlichen Schwankungen
• Helles, gefiltertes Licht unter dem Kronendach des Waldes
• Humusreiche, organische Waldböden
• Gleichmäßig feuchte Standortbedingungen
Kultur
☀️ Licht
In seinem natürlichen Lebensraum wächst Anthurium regale unter dem Kronendach hoher Bäume und erhält den gesamten Tag über helles, jedoch gefiltertes Licht.
Empfohlene Bedingungen
• Sehr heller Standort
• Längere direkte Mittagssonne vermeiden
• Sanfte Morgen- oder Abendsonne wird in der Regel gut vertragen
• Hochwertige LED-Pflanzenlampen liefern ausgezeichnete Ergebnisse
Kulturdaten
• Lichtstärke: etwa 10.000–20.000 Lux
• PPFD: etwa 50–150 µmol/m²/s
Diese Werte entsprechen dem derzeitigen Stand der Kulturerfahrungen und können durch zukünftige wissenschaftliche Erkenntnisse oder langfristige Beobachtungen weiter präzisiert werden.
💧 Luftfeuchtigkeit
Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist entscheidend für die gesunde Entwicklung der Blätter.
Empfohlene Bedingungen
• Minimum: etwa 60 % relative Luftfeuchtigkeit
• Optimal: 70–85 % relative Luftfeuchtigkeit
• Eine gute Luftzirkulation wird ausdrücklich empfohlen.
🌱 Substrat
Als überwiegend terrestrisch wachsende Art gedeiht Anthurium regale am besten in groben, luftdurchlässigen Substraten, die ausreichend Feuchtigkeit speichern und gleichzeitig eine hervorragende Drainage gewährleisten.
Geeignete Bestandteile sind beispielsweise:
• Pinienrinde
• Perlite oder Bims
• Kokoschips
• Kleine Mengen organischer Bestandteile, beispielsweise Wurmhumus
Staunässe sollte grundsätzlich vermieden werden.
🌡 Temperatur
Die ideale Kultivierung erfolgt bei Temperaturen zwischen
18 und 26 °C.
Kurzfristig werden auch niedrigere Temperaturen meist gut toleriert. Längere Kälteperioden sollten jedoch vermieden werden.
🌿 Wuchs
Mit zunehmendem Alter entwickelt Anthurium regale ein außergewöhnlich kräftiges Wurzelsystem, das von immer größer werdenden Blättern begleitet wird.
Viele erfahrene Kultivateure beobachten, dass ausgewachsene Pflanzen häufig nur wenige vollständig entwickelte Blätter gleichzeitig tragen. Ob dieses Verhalten ein natürliches Merkmal der Art oder eine Folge bestimmter Kulturbedingungen ist, wurde bislang wissenschaftlich nicht abschließend untersucht.
Taxonomie
Familie: Araceae
Gattung: Anthurium
Sektion: Cardiolonchium
Art: Anthurium regale Linden
Wissenschaftlich belegte Informationen
Die in diesem Artikel dargestellten Informationen stützen sich auf mehrere unabhängige botanische Quellen, darunter:
• Die Original-Erstbeschreibung (La Belgique Horticole, 1866)
• Royal Botanic Gardens, Kew – Plants of the World Online (POWO)
• World Checklist of Selected Plant Families
• Royal Horticultural Society (RHS)
• Moderne taxonomische Fachliteratur zur Gattung Anthurium
Literatur
• Linden, J. (1866). La Belgique Horticole, Band XVI, Seite 200.
• Royal Botanic Gardens, Kew – Plants of the World Online (POWO)
• World Checklist of Selected Plant Families
• Royal Horticultural Society
• Weitere botanische Fachliteratur und historische Quellen
Redaktioneller Hinweis
Dieses Artenporträt basiert auf dem aktuellen Stand der botanischen Forschung sowie sorgfältig dokumentierten Kulturerfahrungen. Der Artikel wird fortlaufend überprüft und aktualisiert, sobald neue wissenschaftliche Veröffentlichungen oder verifizierte Beobachtungen verfügbar werden.